A short Goodbye and a very warm Welcome….

Enttäuschung und Freude liegen manchmal näher zusammen als erwartet. Während unser Besuch in der Sekundarschule „V. Tittone“ in Castelvetrano am Mittwoch nach einer knappen halben Stunde schon schlagartig zu Ende ging, hatten wir gestern einen regen Austausch beim rund vierstündigen Job-Shadowing in der Sekundarschule „Corbino“ in Partinico.
Was war passiert? In der ersten Schule hat die Schulleitung gewechselt, den langjährigen Koordinator für das Erasmus-Programm abgesetzt und ihren Fokus nicht mehr auf die vielen Jahre des Austauschs mit der Walter-Gropius-Schule gelegt. Die große Enttäuschung über diese neue Entwicklung war Rafael Meyer und seinen sizilianischen Kollegen und Freunden deutlich anzusehen – nach rund 15 Jahren intensiver Zusammenarbeit.


Der Besuch einen Tag später fiel dagegen ganz anders aus. Der Direktor von „Corbino“, Professor Mario Cannizzo, begrüßte seine deutschen Gäste herzlich und nahm sich Zeit über neue Projekte sowie den gegenseitigen Austausch von Schüler*innen und Lehrkräften zu sprechen. Sein Credo: „Wir müssen in die Zukunft schauen und die Zukunft heißt Europa“.
Rafael Meyer und ich wurden von seiner Kollegin Marcella in verschiedene Klassen geführt, wo zwischen den 14- bis 16jährigen Lernenden auch Schüler*innen mit Sprachförderbedarf bzw. mit Lernbeeinträchtigungen saßen.
Damit alle weiterhin gemeinsam und effektiver unterrichtet werden können, hat die Schule in diesem Schuljahr zwei Sprachlernkräfte eingestellt. Giovanna und Carolina entwickeln gerade ihr Konzept und hörten interessiert zu, wie das Konzept der SI-Klassen an der WGS umgesetzt wird. Geplant haben die beiden Lehrerinnen zwei Klassen – eine für Anfänger und Schreibunkundige und eine für Fortgeschrittene. Aus allen Klassen werden die einzelnen Schüler*innen, die unter anderem aus Marokko, Gambia, der Türkei, der Ukraine und Rumänien stammen, zusammen unterrichtet.
Darunter befindet sich auch Gabriele, ein 15jährige Sizilianer, der zehn Jahre in Deutschland gelebt hatte und kürzlich mit seinen Eltern zurück in deren Heimat gekommen ist. Hier will er nun Elektriker lernen – wie sein Vater und Großvater. Sprechen kann er Italienisch gut, Schreiben jedoch fällt ihm schwer. Dazu soll er nun in einer der beiden Spezialklassen gefördert werden.
Nicht nur schulintern, sondern auch international hat die Schule viel vor. Mit der WGS soll ein Job-Shadowing im kommenden Frühjahr stattfinden, nachdem die Italiener bereits mit Schulen in Spanien, Kroatien, Polen und der Türkei Austausche und Projekte zum Thema „Our Earth – our home“ oder „Smart Solutions“ gearbeitet und weitere planen wird.

Nach einem enttäuschenden Start für uns gab es hier in Partinico ein warmes Willkommen. Eine Tür hat sich geschlossen (jedenfalls momentan), dafür öffnet sich eine andere. Und eines wurde mir wieder ganz klar: Das Erasmus*- Programm lebt von Personen, in leitender Funktion, die die europäische Idee verstehen und aktiv fördern.