Handwerk und Hingabe, ein genussvoller Tag in der Ölmühle

Ein weiterer eindrucksvoller Programmpunkt unserer Reise führte uns in die traditionsreiche Ölmühle Frantoio Gabriele. Der Familienbetrieb blickt auf eine lange Geschichte zurück und steht exemplarisch für die tief verwurzelte Olivenölkultur Siziliens. Seit Generationen wird hier mit großer Sorgfalt und Hingabe hochwertiges Olivenöl produziert – stets im Spannungsfeld zwischen bewährter Tradition und moderner Technik.

Auch wenn sich unser Besuch außerhalb der Erntezeit abspielte, nahm sich die Inhaberin Iolanda Gabriele persönlich Zeit, uns den gesamten Herstellungsprozess anschaulich zu erläutern.

Die Olivenernte beginnt üblicherweise im Herbst, wenn die Früchte ihren optimalen Reifegrad erreicht haben. Nach der Ernte werden die Oliven innerhalb kürzester Zeit in die Mühle gebracht, um Qualitätsverluste zu vermeiden. Dort werden sie zunächst gereinigt und von Blättern befreit und gewaschen.

Im nächsten Schritt erfolgt das Zerkleinern der Oliven zu einer Paste. Diese wird anschließend schonend geknetet, damit sich die feinen Öltröpfchen verbinden können. Es folgt die eigentliche Extraktion – heute meist durch moderne Zentrifugen, die das Öl von Wasser und festen Bestandteilen trennen. Diese werden nicht einfach entsorgt. Hier wird ein großer Beitrag zur nachhaltigen Produktion geleistet. Mit dem Wasser werden die Felder bewässert. Die festen Bestandteile dienen als Düngemittel auf den Feldern.

Besonders betonte Iolanda die Bedeutung der sogenannten „kalten Extraktion“, bei der die Temperatur niedrig gehalten wird, um die wertvollen Aromen und Inhaltsstoffe zu bewahren. Heutzutage wird die Temperatur automatisch überprüft, um stets eine hohe Qualität des Öls zu gewährleisten.

Abschließend wird das gewonnene Olivenöl gefiltert oder naturbelassen gelagert, bevor es in Flaschen abgefüllt wird. Die Begeisterung und Fachkenntnis, mit der uns dieser Prozess vermittelt wurde, machte deutlich, wie viel Leidenschaft und Präzision in jedem einzelnen Tropfen steckt. Iolanda betonte, dass jeder Bauer genau das Öl erhält, was aus seinen gelieferten Oliven gewonnen wurde. Bis zu 250 Zentner Oliven können pro Stunde verarbeitet werden.

Ein besonderes Erlebnis war die anschließende Verkostung. Die Chefin ließ uns drei verschiedene Olivenöle probieren, die in ihrer Intensität von mild bis kräftig reichten. Charakteristisch für hochwertige Öle ist dabei auch eine leichte Schärfe im Abgang – das bekannte „Kratzen“ im Hals, das als Qualitätsmerkmal gilt. Um die Aromen optimal wahrnehmen zu können, wurden wir angeleitet, das Öl zunächst in kleinen Bechern mit kreisenden Bewegungen in der Hand zu erwärmen. Erst dadurch entfalten sich die feinen Duftnoten. Mit geschultem Blick lenkte sie unsere Aufmerksamkeit auf die aufsteigenden Aromen – so erinnerte eines der Öle deutlich an frische Tomaten, andere an grüne Kräuter oder Mandeln.

Begleitet wurde die Verkostung von schlichtem, aber hervorragendem Weißbrot mit Olivenpaste, das die Geschmacksnuancen der Öle zusätzlich unterstrich. Diese Kombination erwies sich als ebenso einfach wie köstlich und rundete das Erlebnis auf genussvolle Weise ab. So wurde der Besuch nicht nur zu einer lehrreichen Einführung in die Olivenölproduktion, sondern auch zu einer intensiven sensorischen Erfahrung.