Job-Shadowing auf Sizilien -Mode, Pasta und Panini, griechische Tempel und große Gastfreundschaft

Im Rahmen eines Job-Shadowing-Projekts reisten wir Lehrkräfte, Lasse Althaus, Matthias Teichmann und Silke Steinhoff zusammen mit drei Schülerinnen der Fachoberschule Gestaltung, vier Schülerinnen der BFSDual sowie einem Schüler der Fachoberschule Ernährung nach Sizilien. Ziel der Reise war es, das italienische Berufsbildungssystem kennenzulernen, Kontakte zu Partnerschulen zu vertiefen und unseren Schülerinnen und Schülern internationale Praxiserfahrungen zu ermöglichen.

Nach dem Flug von Hannover nach Palermo wurden wir von unserem italienischen Kollegen Paolo am Flughafen abgeholt. Da wir nicht alle in ein Auto passten, unterstützte uns Paolo mit seinem Auto. Unsere Schülerinnen bezogen ihr Bed & Breakfast in der Altstadt von Partinico, ganz in der Nähe der Schule, in der sie während ihres Aufenthalts hospitieren sollten. Als wir am Abend dort ankamen, waren wir nach der langen Anreise alle sehr hungrig. Zum Glück fanden wir eine gemütliche Pizzeria in der Nähe der Unterkunft, in der wir gemeinsam mit Paolo den ersten Abend entspannt ausklingen lassen konnten.

Für uns Lehrkräfte ging die Reise anschließend noch weiter: Zusammen mit unserem Schüler Mohammad machten wir uns auf den Weg nach Selinunte. Nach etwa einer Stunde erreichten wir das Hotel Admeto, wo Mohammad sein dreiwöchiges Praktikum im Service absolvieren wird. Auch wir Lehrkräfte waren während unseres Job Shadowings dort untergebracht und fielen an diesem Abend nach der langen Reise schnell müde ins Bett.

Am nächsten Morgen erwartete uns beim Frühstück eine besondere Überraschung: Vom Frühstücksraum aus hatten wir einen wunderbaren Blick auf das Meer und einen griechischen Tempel – ein beeindruckender Start in den Tag.

Anschließend fuhren wir wieder nach Partinico, um unsere Schülerinnen um 9 Uhr in ihre Partnerschule zu begleiten. Diesmal war es hell und wir konnten die schöne Landschaft voller Olivenbäume und Zitrusfrüchten genießen. angekommen im „Istituto di Istruzione Superiore Orso Mario Corbino” wurden wir von den italienischen Kolleginnen und Kollegen sowie der Schulleitung sehr herzlich empfangen. Während wir Lehrkräfte die Klassenräume und Werkstätten besichtigen konnten, wurden unsere Schülerinnen sofort freundlich in den Unterricht integriert. Besonders schön war zu sehen, wie offen und interessiert sie von den italienischen Lehrkräften und Mitschülerinnen aufgenommen wurden. In der Modeklasse erhielt auch ich spannende Einblicke in die fünfjährige Ausbildung, während unser Kollege aus der Farbtechnik begeistert mit einem italienischen Kollegen über einen Roboter fachsimpelte. Unsere Schülerinnen begannen gleich mit ihre ersten Modeprojekt und entwarfen Taschen aus recycltem Jeans, die sie im Laufe der Woche bemalten und bestickten.

Am Nachmittag nutzten wir Lehrkräfte die Gelegenheit, Palermo zu besichtigen. Die Stadt beeindruckte uns mit ihren starken Kontrasten. Dank Matthias Teichmanns Gelassenheit schafften wir es, den Wagen ohne allzugroßen Schadeim chaotischen Verkehr zu parkieren. Neben lebendige Märkten, der großen Präsenz des katholischen Glaubens, beeindruckte besonders die Kathedrale von Palermo. Sie wurde 1184 im normannisch-arabisch-byzantinischen Stil erbaut
und zeigte eindrucksvoll die vielfältigen kulturellen Einflüsse Siziliens.

Am Mittwoch begann für Mohammad der erste Tag seine Praktikums im Service und wir besuchten wir zwei weitere Partnerschulen in Castelvetrano, das „Istituto Professionale per i Servizi Alberghieri e Ristorazione Virgilio Titone” ist eine berufsbildende Schule mit gastronomischem Schwerpunkt. Die Direktorin beider Schulen trafen wir im „Istituto Tecnico Economico G. B. Ferrigno”. Diese Schule ist spezialisiert auf Berufe im Bereich Tourismus, Wirtschaft und Verwaltung.
Wir tauschten uns mit Kolleginnen und Kollegen über die Ausbildungssysteme beider Länder aus, besichtigten die Schulküchen und erhielten spannende Einblicke in den Unterricht. Besonders interessant war für uns die Information, dass die fünfjährige berufliche Ausbildung in Italien dem Abitur gleichgestellt ist und ebenfalls zum Universitätsstudium berechtigt. Dank der italienischen Kollegin Hilde, die sehr gut Deutsch sprach, konnten wir auch den Unterricht in einer Inklusionsklasse besuchen.

An unserem letzten Tag erkundeten wir den archäologischen Park von Selinunte. Wir sahen griechische Tempelanlagen, Akropolen, Ausgrabungen von antiken Städten und alles mit dem Blick auf das Mittelmeer. Wunderschön und beeindruckend. Mich begeisterte besonders die Mischung der antiken Baukunst mit den zeitgenössischen Skulpturen, die im Park verteilt waren. Den Abschluss unserer Reise bildete ein gemeinsames Abendessen in einer kleinen Bar am Hafen. Da es dort wegen des starken Windes eigentlich nur eine Terrasse gab, stellte der freundliche Wirt kurzerhand einen Tisch zwischen seinen Kühlschränken für uns auf – eine improvisierte, aber sehr herzliche Lösung.

Sizilien bleibt uns vor allem als Ort großer Gastfreundschaft, inspirierender Gespräche und beeindruckender kultureller Geschichte in Erinnerung.
Ci vediamo!