Unser erster offizieller Erasmus+ Tag in Japan hätte kaum spannender starten können. Schon am Morgen durften wir in die Bereiche der Holz-, Farbtechnik und Raumgestaltung eintauchen. Gemeinsam mit unseren Partnerinnen und Partnern kamen wir schnell ins Gespräch und nutzten jede Gelegenheit, um mehr über die Berufe im Tischler-, Zimmerei-, Malerhandwerk und in der Raumausstattung in Japan zu erfahren.
Ein echtes Highlight war die Besichtigung einer aktuellen Baustelle von Kosuke Ono-san von Kenchikokubou Zero. Besonders spannend war, dass wir nicht nur zuschauen, sondern direkt Teil der Abnahme eines Bauabschnitts sein durften. Dieses Treffen wird in Japan „Test“ genannt. Beeindruckend war für uns vor allem die Genauigkeit, mit der gearbeitet wird. Gemeinsam mit den Bauherren gingen die Mitarbeitenden jeden Bereich sorgfältig durch, hielten selbst kleinste Details digital fest und besprachen anschließend alle Punkte gemeinsam. Auffällig war auch, dass bei diesem Termin immer der Chef persönlich anwesend sein muss, ein Zeichen für Verantwortung und Wertschätzung gegenüber den Bauherren.







Während der Baustellenbesichtigung fiel uns außerdem auf, dass die Zimmerei in Japan viele Aufgaben übernimmt, die bei uns oft auf mehrere Gewerke verteilt sind. Darunter fallen hier z. B. Trockenbauarbeiten. Gerade darin sehen wir spannende Perspektiven für unsere angehenden Maler und Malerinnen, denn diese Vielseitigkeit eröffnet neue Möglichkeiten für berufliche Kompetenzen und internationale Lernfelder.



Kosuke Ono-san erklärte uns außerdem, dass zum Abschluss häufig nur zwei Schichten Spachtelung aufgetragen werden. Dafür wird ein spezialisiertes Subunternehmen hinzugezogen, das eng mit dem Betrieb zusammenarbeitet. Auch diese Zusammenarbeit zwischen den Gewerken war für uns ein sehr interessanter Einblick.
In den Gesprächen wurde außerdem deutlich, dass auch Japan die Auswirkungen weltweiter Krisen spürt. Gestiegene Materialkosten sind auch hier ein großes Thema, besonders bei Dämmmaterialien, deren Preise stark angestiegen sind. Es war spannend zu sehen, dass Handwerksbetriebe weltweit vor ganz ähnlichen Herausforderungen stehen.
Am Nachmittag wechselte unser Blick von der Baustelle in die Welt der Gestaltung und des Designs. In einem zentralen Einkaufszentrum besuchten wir verschiedene Geschäfte für Inneneinrichtung. Dort konnten wir deutliche europäische Einflüsse entdecken, die das japanische Angebot sichtbar prägen. Möbel, Stoffe und Dekorationen zeigten eindrucksvoll, wie international Gestaltung heute gedacht wird.











Ein besonders schöner Abschluss des Tages war unser Besuch in einer Buchhandlung. Dort fanden wir zahlreiche Bücher zur traditionellen und modernen Interpretation der japanischen Innenarchitektur. Gerade dieser Kontrast zwischen jahrhundertealter Ästhetik und modernen Raumkonzepten hat uns begeistert und viele neue Ideen für unsere eigene Arbeit inspiriert.





Dieser Austausch wird uns nicht nur fachlich weiterbringen, sondern auch unseren Blick auf Handwerk, Gestaltung und Zusammenarbeit nachhaltig erweitern.

