Ich bin im Rahmen eines Austauschs im Fachbereich „Assistent/in für Architektur“ nach Frankreich in die Stadt Angoulême gereist. Es war meine erste Erfahrung, im Ausland zu studieren.
Vor der Reise erwartete ich, die architektonische Umgebung und das Bildungssystem in einem anderen Land kennenzulernen, neue Ansätze in der Architektur zu entdecken und sie mit dem zu vergleichen, was ich aus meinem eigenen Studium kenne.
Angoulême ist eine historische Festungsstadt mit einer sehr reichen Geschichte. Sie liegt auf einer Anhöhe und bewahrt viele Elemente ihrer historischen Bebauung. Die Stadt wirkt sehr geschlossen und „vielschichtig“, wobei man die verschiedenen Zeitschichten der Architektur deutlich wahrnehmen kann.
Besonders interessant war für mich die Kombination aus alter und moderner Architektur. Historische Gebäude, enge Straßen und Höhenunterschiede stehen neben moderner Bebauung und schaffen so eine komplexe und lebendige städtische Struktur. Aus Sicht meines zukünftigen Berufs ist das besonders wertvoll, da man beginnt, eine Stadt nicht nur als Ort zu sehen, sondern als System: wie Räume organisiert sind, wie sich Menschen bewegen und wie Architektur die Wahrnehmung der Umgebung beeinflusst.




Während des Praktikums unterschied sich die Organisation des Unterrichts deutlich von dem, was ich gewohnt bin. Ich war überrascht, dass die Unterrichtstage sehr lang sein können — manchmal von 8 Uhr morgens bis 18 Uhr abends. Gleichzeitig gibt es lange Pausen, die mehrere Stunden dauern können, wodurch ein anderer Lernrhythmus entsteht.
Im Unterricht wird viel Wert auf Zeichnungen und praktische Aufgaben gelegt. Außerdem arbeiten die Studierenden mit verschiedenen Programmen wie SketchUp,

erstellen architektonische Modelle und lernen, mit Maßstäben zu arbeiten. Dieser praktische Ansatz hilft, die realen Abläufe in der Architektur besser zu verstehen.
Die Atmosphäre in der Schule war sehr freundlich. Die Lehrkräfte waren immer bereit zu helfen und den Stoff zu erklären, wenn etwas unklar war. Der Unterrichtsstil wirkte ruhig und verständlich, ohne unnötigen Druck.
Die Anpassung am Anfang war nicht einfach wegen der Sprachbarriere: Viele Schüler und Lehrkräfte sprechen Englisch nicht sehr sicher, daher war es manchmal schwierig, schnell in die Kommunikation einzusteigen und alles sofort zu verstehen. Trotzdem waren die Menschen sehr freundlich. Mir wurde warmherzig begegnet, und man hat sich bemüht, mir zu helfen und mich zu unterstützen, was die Eingewöhnung deutlich erleichtert hat.
Am meisten hat mir die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen gefallen, auch trotz sprachlicher Schwierigkeiten.
Diese Erfahrung hat mir ermöglicht, die architektonische Welt von innen zu sehen — nicht nur als Studienaufgaben, sondern als realen Prozess der Arbeit und der Organisation von Ausbildung in einem anderen Land. Ich konnte besser verstehen, wie der Beruf der Architektin im praktischen Sinne funktioniert und welche Fähigkeiten und Arbeitsweisen in der Realität wichtig sind. Außerdem hat mir das geholfen, mich darin zu bestärken, mich in Zukunft in diesem Bereich weiterzuentwickeln. Ich habe viel darüber gelernt, wie unterschiedlich Ausbildungs- und Berufswege in der Architektur sein können.
Insgesamt war diese Erfahrung für mich sehr wertvoll und hat mir neue Perspektiven auf das Studium und den Beruf gegeben.

