Japan Barbecue – Willkommen Erstis

Heute war der erste Tag der neuen Tischler-Schüler – ein besonderer Anlass, der hier in Japan mit einer beeindruckenden Mischung aus Respekt, Gemeinschaft und Herzlichkeit gefeiert wurde.

Schon am Morgen begann alles mit einer Geste, die so viel über die Kultur dieses Landes aussagt: Gemeinsam begrüßten Marius und ich die Gäste des Festes am abseits gelegenen Parkplatz mit einer Verbeugung. Diese Form des Empfangs wurde so positiv aufgenommenen, was uns durch freudestrahlende Gäste gespiegelt wurde. Eine Situation, die auf mich tief respektvoll und zugleich sehr warmherzig wirkte. Es ist immer wieder bemerkenswert, wie stark in Japan Wertschätzung bereits in den kleinsten Gesten zum Ausdruck kommt.

Noch bevor die Feier richtig begann, hatten wir bereits die Grills entzündet und alles für den Tag vorbereitet. Kurz darauf stellten sich die neuen Schüler auf der Bühne vor allen Anwesenden vor – ein Moment voller Stolz, aber auch voller Demut. Man spürte, welchen Stellenwert Gemeinschaft und gegenseitiger Respekt hier im Handwerk besitzen.

Besonders in Erinnerung bleibt mir der Moment, als unser Chef auf mich zukam und mich sofort fragte, ob wir gemeinsam ein Bier trinken. Es war eine dieser scheinbar kleinen Begegnungen, die doch viel mehr bedeuten. Mit sichtbarem Stolz zapfte er mir ein Craft-Bier aus seiner eigenen Zapfanlage, das er über ein monatliches Abonnement bezieht. Und tatsächlich – man schmeckte die besondere Qualität in jedem Schluck.

Im weiteren Verlauf des Tages nahm er mich mit an den Grill und ließ mich erraten, welche Spezialitäten er mir zum Probieren reichte. Schweinezunge, Rindermagen und Rinderzwerchfell – für mich ungewohnte, aber faszinierende Einblicke in die japanische Esskultur. Ich stellte fest, dass es sich bei diesen Speisen um historisch gewachsene Essenskultur handelt, gibt es diese seit  mit Ende des zweiten Weltkrieges und Besetzung Japans durch die Amerikaner. Daneben gab es aber auch feinstes Rinderfilet, frisches Gemüse und mehrere Gänge verschiedenster Nudeln. Besonders schön fand ich die japanische Tradition, ein Grillfest mit Nudeln zu beenden. Auch darin zeigt sich, wie stark Rituale und kulturelle Gepflogenheiten den Alltag prägen.

Während wir gemeinsam am Grill standen, entstanden Gespräche, die weit über das Essen hinausgingen. Wir tauschten uns über die Besonderheiten unserer Kulturen aus, lachten viel und staunten immer wieder über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Es war eine Atmosphäre voller gegenseitiger Anerkennung, ehrlichem Interesse und einer Wärme, die sich nur schwer in Worte fassen lässt. Manche Begegnungen fühlen sich einfach besonders an – leise, selbstverständlich und doch tief berührend.

Als das eigentliche Fest längst vorbei war, war der Tag noch nicht zu Ende. Unser Chef lud Marius und mich zu sich ins Haus ein. Dort zeigte er uns mit großem Stolz seine beeindruckende Sammlung feinster japanischer Sakes und ließ mich verschiedene Sorten probieren. Auch hier war wieder diese besondere Mischung aus Offenheit, Vertrauen und Gastfreundschaft zu spüren, die mich tief beeindruckte.

Beschwingt von den Gesprächen, den Eindrücken und dem Sake verbrachten wir schließlich noch Zeit im Wohnzimmer, wo wir der Nachbesprechung der Tischler und Architekten beiwohnten. Selbst dieser Moment hatte etwas Besonderes: Man spürte die Leidenschaft für das Handwerk, die tiefe Verbundenheit untereinander und den Respekt für die gemeinsame Arbeit.

Es war ein Tag voller Begegnungen, neuer Erfahrungen und besonderer Momente – ein Tag, den ich niemals vergessen werde.