Mein zweiter und dritter Arbeitstag in Japan
Mein zweiter und dritter Arbeitstag starteten früh am Morgen. Es ging nach Sendai Imozawa; auf die Baustelle, auf der Marius und ich unsere ersten Tage in Japan genächtigt hatten. Dort angekommen, habe ich einmal mehr erleben dürfen, wie viel Ausdauer und Hingabe die hiesigen Handwerker in ihre Arbeit stecken. Als Tischler erlebt man jeden Tag ganz unmittelbar, was es bedeutet, mit den eigenen Händen etwas zu schaffen. Auch kommt es vor Altem neues Leben einzuhauchen – und das tat ich die kommenden zwei Tage.

Meine Aufgabe bestand darin, eine etwa 40 Quadratmeter große Parkettfläche vollständig vom alten Klarlack zu befreien. Dafür nutze ich den mir zur Verfügung gestellten Exzenterschleifer, zunächst mit 40er Körnung. Die Arbeit war körperlich fordernd: stundenlanges Schleifen im Knien, begleitet von feinem Staub und dem konstantem Lärm der Maschine. Besonders bemerkenswert war, dass hier zunächst ohne Atemmasken und Gehörschutz gearbeitet wurde. Um mir selbst etwas zu helfen, improvisierte ich – ich stopfte mir Taschentücher in die Ohren und band mir ein Stofftuch hinter dem Kopf zusammen, um zumindest etwas Schutz vor dem Staub zu haben. Am darauffolgenden Tag kaufte ich mir dann Atemmasken, was die Arbeit deutlich angenehmer machte.

Trotz der anstrengenden Stunden gab es Momente, die diese Tage unvergesslich machten. Der Ausblick, den ich während der Pausen genießen durfte, war schlicht atemberaubend:
Auf der einen Seite erhob sich ein schneebedecktes Gebirge, auf der anderen Seite ein dichter Bambuswald im Wind, und direkt vor mir war in der Ferne ein Tempel. Diese Kulisse, fast schon meditativ, stand so sehr im Kontrast zur harten körperlichen Arbeit, dass ich lachen musste.

Wie die Pausen hier verbracht wurden, wunderte mich jedoch. Jeder machte sie für sich allein. Die anderen Arbeiter zogen sich in ihre Autos zurück, während ich es mir auf dem Gerüst bequem machte und die Aussicht genoss. Es waren diese stillen Momente, hoch über dem Boden, zwischen Bergen, Bambus und Tempel, die auch die simpelsten Aufgaben, angenehm erschien ließen.
Die Mischung aus harter Arbeit, langen Arbeitstagen, Improvisation und beeindruckender Umgebung machten meine Zeit hier in Japan unvergesslich. So zeigt mir jeder Tag aufs Neue, wie dankbar ich sein kann, für meinen Ausbildungsbetrieb, der mir neben meiner persönlichen Schutzausrüstung auch auch ausreichend Arbeits- und Hilfsmittel zu Verfügung stellt. Manch ein Handwerker mag lachen, aber auch die BG mit ihrer Kontrollfunktion erscheint mir von jetzt an mehr als angebracht.

