Unser erster Arbeitstag in Japan – Teil 2
Warum die Stimmung an diesem sonnigen Tag kippte, kann ich nicht sagen. War es die sprachliche Barriere, non verbale Kommunikation oder etwas das wir als Europäer vielleicht garnicht benennen können.
Nun saßen wir in unserer Mittagspause, getrennt von den Japanern, aufgewühlt und verunsichert, als ich mich an einen Satz von Herrn Szlakowski erinnerte. Dieser hatte mir während des Besuchs der japanischen Delegation in Deutschland erzählt, dass er eine sehr beeindruckende Erfahrung während seines Aufenthaltes in Japan gemacht hatte. Hatte er seinem japanischen Gegenüber Fotos seiner Familie gezeigt, und in Folge tiefen Respekt und Verbundenheit erfahren. Mit diesem Wissen machte ich mich auf den Weg zu unserem Vorgesetzten Toychi und setze mich zu ihm. Umgeben von von elf japanischen Tischlern zeigte ich Ihm Fotos meiner Familie und drückte meinen tiefen Respekt aus. Die Verwunderung in seinen Augen wich einem Lächeln und auch er zeigte mir Fotos seiner Familie.

Diese Geste mag für uns klein erscheinen, in Japan ist sie jedoch enorm und bildete erst die Grundlage für alles Kommende. Es war nicht leicht, so weit entfernt von zuhause, in einer fremden Sprache, als ältester und damit Verantwortlicher mit dieser Situation umzugehen, doch bin ich dankbar für diese Erfahrung. Die japanische Lebensphilosophie – 一期一会 (Ichigo Ichie) beschreibt diesen Moment ziemlich gut: „ Dieser Moment, diese Begegnung“ – jeder Moment ist einzigartig und kommt nie wieder.


