Zweite Woche schneiden, nähen und Sonne genießen

Montag:

Am Wochenende hatte ich mit Salvo darüber gesprochen, dass ich mir schon länger die Haare schneiden lassen wollte. Er meinte, er kenne einen guten Friseur in Palermo und könne zur Unterstützung mitkommen. Also machten wir einen Termin bei Zappa, einem angesagten Friseurladen hier in der Stadt. Ob ich mir das gut überlegt hatte?

Zuerst waren Laurenz und ich wie gewohnt in der Firma. Ich arbeitete weiter an der Gestaltung von Kissen und Beuteln, während Laurenz an neuen Videos für den Laden saß. Der Tag verging schnell – und nach Feierabend ging es für Salvo und mich direkt zum Friseur.

Es war ein seltsames, aber auch spannendes Gefühl, nicht zu wissen, was genau passieren würde. Ich zeigte dem Friseur ein Foto als Vorlage, er griff nach meinen Haaren – und schnitt sie einfach ab. So schnell kann’s gehen. Jetzt sind meine Haare so kurz wie noch nie. Der Schnitt ist super geworden – nur der Preis war am Ende doch überraschend, da alles erst danach zusammengerechnet wurde.

Laurenz und Ella wollten an dem Abend noch Hausaufgaben machen, also ging ich allein in die Stadt. Ich schlenderte durch ein paar Straßen – und verirrte mich komplett. Tipp: Palermo ist wunderschön, aber viele Straßen sehen sich sehr ähnlich. Verlasst euch lieber nicht auf euer Gedächtnis – nutzt direkt eine Karte oder das Handy zur Orientierung.

Dienstag:

Am Dienstagmorgen war es Laurenz’ Aufgabe, die Kissen im Laden zu fotografieren und daraus Beiträge für Social Media zu erstellen. Ich sollte aus grünem Stoff neue Beutel mit bunten Seitenteilen nähen.

Nach der Arbeit machten wir uns zügig auf den Weg zur Chiesa del Gesù – einer sehr beeindruckenden Kirche im Herzen von Palermo. Wir nahmen an einer englischen Führung teil, allerdings sprach die Führerin mehr Italienisch mit ein paar englischen Begriffen dazwischen. Das Ganze wurde für uns schnell zu einem unterhaltsamen Ratespiel. Trotzdem war es eine schöne Führung.

Tipp: Wenn ihr in Palermo seid, nehmt euch Zeit für die Kirchen und Kathedralen. Viele der Figuren erzählen ihre ganz eigene Geschichte – man muss nur genau hinsehen.

Nach dem Besuch machten sich Ella und Laurenz zurück auf den Weg zur Unterkunft, um weiter für die Schule zu lernen. Ich nutzte die Zeit, um mir Postkarten zu kaufen. Doch bevor ich überhaupt dazu kam, verwickelte mich der Verkäufer in ein langes Gespräch – und zeigte mir kurzerhand eine versteckte Kirche hinter einer unscheinbaren Tür. Sie war atemberaubend.

Also: Unscheinbare Türen in Palermo lohnen sich! Man weiß nie, was sich dahinter verbirgt.

Als ich endlich meine Postkarten hatte, setzte ich mich in die Sonne und schrieb ein paar davon. Zum Abschluss des Tages kaufte ich die größte Pizza, die ich je gesehen habe – und überraschte damit Laurenz und Ella. Die Freude über die Stärkung nach dem vielen Lernen war groß.

Liebe Grüße

Marie & Laurenz